Liebe Aktivist*innen,
Liebe politisch Aktive,
out of action (ooa) ist eine bundesweite Anti-Repressionsgruppe linker Aktivist*innen in unterschiedlichen Städten, die sich mit den emotionalen Folgen von Repression auseinandersetzt und dafür sensibilisieren möchte.
Im politischen Aktivismus kommt es immer wieder dazu, dass Menschen von Aktionen nach Hause kommen und sich aufgrund der gemachten Erfahrungen unwohl fühlen. Dies kann sich sehr unterschiedlich äußern:
- Du sitzt nach einer Protestaktion im Zug nach Hause und fühlst dich unwohl.
- Du hast ein mulmiges Gefühl nach einem Aktionstraining.
- Bilder aus den letzten Tagen überfluten dich.
- Ein schlechtes Gewissen haben, weil mensch nicht ‚aktiv genug‘ ist.
- Vor, während und nach einer Demo/Aktion innere Unruhe zu fühlen.
- Nach politischen Aktivitäten erst euphorisch zu sein und dann abzustürzen.
- In großen Menschenansammlungen eine Panikattacke zu bekommen.
- u.v.a.m.
Dies alles können Auswirkungen sein, die gezielt und strategisch von Repressionsorganen wie der Polizei in Kauf genommen werden. Denn neben den sichtbaren Auswirkungen der Repression bei Protesten (wie z.B. blauen Flecken, körperlichen Verletzungen, finanzieller Belastung durch Bussgelder, Anwalts-/Prozesskosten bis hin zu Strafen), gibt es auch weniger offensichtliche Auswirkungen wie emotionalen Stress bis hin zu andauernden psychischen Belastungen.
In den letzten Jahren haben sich neben out of action (ooa) verschiedene Strukturen entwickelt, die versuchen Aktivist*innen, einen Raum für emotionale Belastungen zu geben. Diese Strukturen wie z.B. Awareness-Gruppen/-Strukturen, Psychologists for Future unterscheiden sich in Bezug auf Kernthemen, Langfristigkeit, Verbindlichkeit und Sicherheitskonzepten.So begrüßenswert das damit verbundene Engagement und die Angebote auch sind, ist es für uns wichtig auf ein paar Sicherheitsaspekte in diesem Kontext aufmerksam zu machen, damit ihr für euch besser einschätzen könnt, wann ihr wo mit welchem Angebot am besten aufgehoben seit. Informiert euch nach Möglichkeit rechtzeitig vor Ort (z.B. in Städten, auf Camps usw.), ob die jeweiligen Strukturen für eure Anliegen sinnvolle Ansprechpersonen sind. Gerne wird unser Gruppen-Name out of action auch für Chill-Out Bereiche verwendet. Das heißt jedoch nicht, dass das ein Angebot von uns ist.
Gespräche über politischen Aktivismus beinhalten immer Informationen, welche für staatliche Repressionsorgane wichtig sein können. Dabei kann es sich u.a. um Namen, Orte, Zeiten oder Handlungen drehen, die Aufschluss über die eigenen oder andere Aktionen geben können. Was für einen selbst manchmal unwichtig erscheint, kann entscheidend für das Strafverfahren anderer sein. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Polizei nicht vor persönlichen Grenzen halt macht und Personen und Strukturen aktiv unter Druck setzen kann, um an diese Informationen zu gelangen.
Daher haben wir ein paar Fragen zusammengestellt, welche wir für wichtig halten, um in einem vertraulichem Kontext über Erlebtes zu sprechen.
Fragen, die ich mir stellen kann:
- Mit wem rede ich gerade und welchen Bezug hat die Person zu einer politischen Bewegung?
- Wie gehen Menschen mit dem Erzählten um? Wird es vertraulich behandelt?
- Was brauche ich damit ich sicher über meine Erfahrungen reden kann?
- Wo spreche ich mit Menschen?
- Können andere Menschen mithören?
- Welche Infos muss ich geben, damit ich über das Erlebte reden kann?
- Geht es in dem Gespräch um mein Erleben und meine Gefühle, oder um Daten, Namen und Orte?
- Wurde ich auf evtl. Sicherheitsaspekte (fehlende Schweigepflicht, da kein klassisches therapeutisches Setting) informiert?
Fragen für Menschen/Strukturen, die Gesprächsangebote machen:
- Was sollte ich bedenken, wenn ich mit Menschen in Angeboten über Erlebtes sprechen möchte?
- Welche Infos werden für die Unterstützung gebraucht?
- Welche Infos gefährden evtl. Strukturen?
- Ist es uns bewusst, dass wir offiziell keiner Schweigepflicht unterliegen?
- Wie gehen wir mit mangelndem Zeugnisverweigerungsrecht um?
- Wie schützen wir unsere Strukturen vor einer Unterwanderung durch die Polizei?
- Wie wird ein Raum möglichst vor Abhörmaßnahmen geschützt?
Neben der Möglichkeit bestehende Angebote und Strukturen zu nutzen, möchten wir euch darin bestärken, selbstverantwortlich innerhalb der eigenen Bezugsgruppe Raum für diese Themen zu schaffen. Gerne unterstützten wir als ooa euch dabei, diese Räume in euren Zusammenhängen zu öffnen und sie mit euch gemeinsam zu gestalten. Neben verschiedenen Workshops und Infoveranstaltungen, bieten wir vertrauliche Einzel- und Gruppengespräche auf Camps und in unterschiedlichen Städten an, welche von Aktivist*innen für Aktivist*innen gedacht sind. Wir arbeiten nicht therapeutisch, sondern bieten emotionale erste Hilfe an. Gemeinsam überlegen wir, was euch gerade helfen und wie eine passende Unterstützung für euch aussehen könnte.
ooa ist eine bundesweite geschlossene Gruppe mit einheitlichen Sicherheits- und Gesprächsstandards und bietet in unterschiedlichen Städten Gesprächsangebote an. Als strömungsübergreifende Anti-Repressionsgruppe schließen wir eine Kooperation mit Repressionsorganen kategorisch aus. Regelmäßig beschäftigen wir uns mit sicherheitsrelevanten Themen, gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen sowie den daraus resultierenden psychischen und emotionalen Belastungen.
Bei Fragen zu unseren Angeboten und unserer Arbeitsweise kontaktiert uns gerne. Dann können wir gemeinsam klären, inwiefern wir euch unterstützen können.
Auf der Webseite unter Gruppen findet ihr out of action (ooa) Städtegruppen in eurer Nähe.
Bleibt solidarisch! Bleibt aktiv!